Luftbild Stolpen Stolpen

Auf der Suche nach einem zukünftigen Standort haben wir 2000 ein Haus mit besonderer Herausforderung entdeckt. - Ein verwahrlostes, leerstehendes Gebäude im urkundlich erstmals 1222 erwähnten Stolpen, wenige Kilometer östlich von Dresden, am Rande zur Sächsischen Schweiz. Prägnant und literarisch vielfach beschrieben ist die Lage Stolpens auf einer annähernd 40 m hohen Basaltquellkuppe auf Lausitzer Granit. Strategisch von besonderer Bedeutung entwickelte sich auf diesem "Basaltberg" die gleichnamige Burg und bestimmt heute weithin sichtbar das Landschaftsbild.

Haus 1910 Am Fuße der Burg Stolpen begann im 15. Jahrhundert die Besiedlung Stolpens und so um 1470 der Bau einer Stadtmauer. In diese Zeit läßt sich die Gründung unseres Hauses zurückverfolgen. Nach dem Stadtbrand vom 20. Februar 1795, dem auch dieses Haus zum Opfer fiel, wurde mit der Abtragung der Stadtmauer zum Wiederaufbau der Häuser begonnen. Lediglich das Niedertor, auch Dresdner Tor genannt, kündigt heute noch von dieser Zeit.

Haus alt An genau diesem Tor befindet sich das denkmalgeschützte spätbarocke Haus. Nach langwieriger Planung und Überwindung etlicher Querelen konnte Anfang Juli 2002 mit der Sanierung begonnen werden. Gemeinsam mit dem beauftragten Architekturbüro Furkert und dem Restaurator Markus Schulz wurden alle Hürden genommen und ein überzeugendes, integriertes Konzept entwickelt, welches auf schlichte Art und Weise die Besonderheiten des Hauses mit seiner Entstehungszeit nach 1795 herausarbeitet, aber auch Bezug auf heutige Erfordernisse und Probleme nimmt.

Die Darstellung der drei großen Bau- und Umbauphasen soll sich in unserem Gestaltungskonzept für den Betrachter auf anschauliche Art und Weise widerspiegeln. Der nebenan abgebildete Entwurf zeigt eine strikte 3-Gliedrigkeit ohne jedoch eine der Bauphasen zu begünstigen. Jede Epoche soll gleichbedeutend sein und die Entwicklungsstufen des Hauses verdeutlichen. So zeigt das 1. und 2. OG auf Grundlage restauratorischer Befunde die barocke illusionistische Farbgebung zu Zeiten des Hausbaus um 1795. Das Ladengeschoß (EG) symbolisiert den um 1881 durchgeführten nachhaltigen Hausumbau mit Ladeneinbau, Treppenhaus- und Hinterhausanbau. Der heutige Dachaus- und -umbau wiederum verdeutlicht die Möglichkeiten und Notwendigkeiten des 21. Jahrhunderts. Entwurf Die traditionell anmutende Hechtgaupe bleibt ob ihrer Materialien, Fenster und Fassadenflächen ein modernes Element und integriert das sensibel plazierte Kollektorband unterhalb des Dachfirstes. Die Entscheidung für diesen Entwurf ist uns nicht leicht gefallen, sind die Diskussionen um die Restaurierung des Dresdner Schlosses und die dortige Vermischung aller Baustile doch hinlänglich bekannt. Wir hoffen jedoch, ein harmonisches und in seiner Ganzheit stimmiges Gebäude geschaffen zu haben, welches auf zurückhaltende Art seine Besonderheiten dem Betrachter offenbart.

Haus neu

Statistisches: Ohne Burg wenig, durch allerlei Bemühungen geradeso Unterzentrum. Ohne gravierende neuzeitliche Bausünden im Innenstadtbereich, mit sauber asphaltierten Straßen, dafür ohne Jugendclub, bald ohne Bibliothek und notwendiger Vollzugsbeamtin, politisch randständig. Auf einer Fläche von rund 60 km² wohnen mittlerweile deutlich unter 6.000 Einwohner, Tendenz fallend. Infrastrukturell könnte Stolpen mit seinen OT alle Notwendigkeiten bieten. Vielleicht findet jemand den Weg hierher um Stolpen aus dem Dornröschenschlaf zu küssen.